Portraits zu Berner Weltraumforschenden

Sie haben Berner Weltraumgeschichte geschrieben – die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Ingenieure und Werkstattleiter, die ab den 1960er-Jahren am Physikalischen Institut der Universität Bern gearbeitet haben.

In Videoportraits schildern sie, wie sie die Zeit der Apollo Missionen erlebt haben und erzählen von Weltraummissionen, an denen sie beteiligt waren. Selten gesehenes Videomaterial illustriert, welchen Herausforderungen sie sich stellen mussten.

Prof. em. Dr. Kathrin Altwegg

© Universität Bern

«Es geht ans Herz, sein eigenes 'Baby' davonfliegen zu sehen.»

Kathrin Altwegg erzählt von spektakulären Weltraummissionen, kosmischen Enten und stinkenden Kometen.

Kathrin Altwegg studierte und doktorierte an der Universität Basel. Als die Physikerin 1982 an die Universität Bern kam, arbeitete sie für die Giotto-Mission zum Kometen Halley. Kathrin Altwegg entwickelte die Boden-Software für das Massenspektrometer an Bord der Raumsonde.

 

Später war sie Projektmanagerin und schliesslich Hauptverantwortliche für das Rosina-Experiment, das an Bord der Raumsonde Rosetta den Kometen Chury erforschte. Sie lehrte als Professorin und war Direktorin des Center for Space and Habitability (CSH) an der Universität Bern. Seit 2016 ist sie pensioniert, forscht aber weiter.

Prof. em. Dr. Hans Balsiger

© Universität Bern

«Wir können zu Kometen fliegen. Das war für uns Berner das Nonplusultra.»

Hans Balsiger über seinen Werdegang, den Launch von Apollo-11 und die Berner Beteiligung an internationalen Kometenmissionen.

Schon während seiner Dissertation an der Universität Bern entwickelte Hans Balsiger zusammen mit Ernest Kopp ein Massenspektrometer für die Raumfahrt.

Nach einem Aufenthalt in den USA kehrte er 1970 nach Bern zurück.

 

Er war unter anderem Projektmanager für ein Instrument, das mit dem ESA-Satelliten-Programm GEOS ins All flog, und war als Prinicipal Investigator verantwortlich für das Massenspektrometer an Bord der Kometensonde Giotto sowie ROSINA auf Rosetta, bis er 2003 pensioniert wurde.

Prof. em. Dr. Peter Bochsler

© Universität Bern

«Wir haben für die Mondlandung extra einen Fernseher fürs Labor gemietet.»

Peter Bochsler über die Zusammenarbeit mit Russland und den USA, kosmische Strahlung und Sonnenwind-Messungen.

In seiner Diplomarbeit an der Universität Bern untersuchte Peter Bochsler Meteoriten. Für seine Doktorarbeit zersägte, erhitzte und analysierte er Proben von Mondgestein, das die Astronauten von Apollo 11 und 12 zurückgebracht hatten.

 

Nach einem Forschungsaufenthalt in Israel kehrte er an die Universität Bern zurück und war an mehreren Raumfahrtmissionen beteiligt. So initiierte er ein Folienexperiment auf der russischen Raumstation MIR. Er war verantwortlich für ein Experiment, das an Bord des Sonnensonde SOHO seit 1995 Daten vom Sonnenwind liefert, und er analysierte und interpretierte Daten der NASA-Sonde GENESIS.

Prof. em. Dr. Otto Eugster

© Universität Bern

«Wir hatten ein grosses Privileg, beim Programm der NASA mitwirken zu dürfen.»

Otto Eugster über das Schweizerkreuz auf dem Mond, Mondsteine in Quarantäne und ausserirdische Mineralien.

Otto Eugster studierte an der Universität Bern und entwickelte in seiner Doktorarbeit eine Messmethode für Meteoriten. Während eines Forschungsaufenthalts in den USA am California Institute of Technology in Pasadena untersuchte er erstmals Mondgestein, das die Astronauten von Apollo 11 zurückbrachten.

Darauf analysierte er in Frankreich am Centre national de la recherche scientifique und schliesslich an der Universität Bern weiter Mondgestein der Apollo- und Luna-Missionen, bevor er sich wieder der Meteoritenforschung zuwandte und schliesslich eine Methode entwickelte, mit der sich antike Goldobjekte datieren lassen.

Dr. Jürg Meister

© Universität Bern

«Leider gibt es keine Wäscheleinen auf dem Mond!»

Was Selfie-Sticks und Rollläden mit der Entwicklung des Berner Sonnensegels zu tun haben, erklärt Dr. Jürg Meister.

Jürg Meister studierte an der Universität Bern Physik und war als Doktorand an der Entwicklung des Berner Sonnensegels wesentlich beteiligt. Mit einem Sonnenwindsimulator konnte er im Labor zeigen, dass die gesuchten Teilchen tatsächlich wie erhofft in der Aluminiumfolie steckenblieben – die raffiniert einfache Idee funktionierte.

1969 brachte der 30-jährige Physiker das für Apollo 11 bestimmte Sonnenwindexperiment im Handgepäck in die USA. Danach forschte er sechs Jahre an der Rice-Universität in Texas, bis er in die Schweiz zurückkehrte und für die Munitionsfabrik Thun arbeitete.

Prof. em. Dr. Ernest Kopp

© Universität Bern

«In Bern konnten wir die gesamte Technik in-House produzieren.»

Ernest Kopp über vergessene Öl-Pintli in Sardinien, rasante Raketenstarts und das Erfolgsgeheimnis von Berner Weltraumforschenden.

Ernest Kopp studierte an der Universität Bern Physik. Im Rahmen seiner Doktorarbeit entwickelte er ein Messgerät, das 1967 erstmals mit einer Zenit-Höhenforschungsrakete von Sardinien aus gestartet wurde. Damit konnten Dichte und Temperatur der oberen Atmosphäre in Höhen zwischen 90 und 140 km bestimmt werden.

In der Folge leitete Ernest Kopp Kampagnen zu Höhenforschungsexperimenten in Schweden, Frankreich, Spanien und den USA. Er war wesentlich an der Entwicklung von miniaturisierten, robusten Massenspektrometern für Satelliten und Raumsonden beteiligt – der Spezialität der Berner Weltraumforscher.

Prof. Dr. Claude Nicollier

© Universität Bern

«Die Berner sind dabei mit Leidenschaft, Talent und erstklassigen Instrumenten.»

Der erste Schweizer Astronaut Claude Nicollier über seine ungewöhnliche Karriere, seine liebsten Flüge und die Rolle der Berner Astrophysik.

Claude Nicollier war zum Zeitpunkt des Interviews der einzige Schweizer Astronaut. Er wurde 1944 in Vevey geboren, studierte in Lausanne und Genf Physik und Astrophysik und liess sich zum Militär- und Linienpiloten ausbilden. 1978 wählte ihn die ESA für die erste Gruppe europäischer Astronauten aus. Zwischen 1992 und 1999 nahm er an vier Weltraumflügen teil.

Er verbrachte über 1000 Stunden im All. Bei einem mehr als achtstündigen Weltraumausstieg installierte er am Hubble-Weltraumteleskop neue Instrumente. Seit 2004 ist Claude Nicollier Professor an der ETH Lausanne.

Urs Schwab

© Universität Bern

«Ich war Physiklaborant im 2. Lehrjahr und von Anfang an dabei.»

Urs Schwab über die Entwicklung der «heiligen Folie» und gefährliche Experimente.

Urs Schwab machte eine Lehre als Physiklaborant an der Universität Bern. Bereits im zweiten Lehrjahr 1967 gehörte er zum Team, welches das Berner Sonnenwindexperiment für die Apollo-Flüge zum Mond entwickelte und aufbaute. Urs Schwab war beteiligt an der Produktion und Aufbereitung der Folie und den Messungen im Labor.

Später war er zuständig für den Betrieb des Massenspektrometer-Labors. 1973 verliess er die Universität Bern und ging auf eine Weltreise. Wieder in Bern kehrte er für weiter 17 Jahre ans physikalische Institut zurück und arbeitete vor allem am Ausbau des Reinraums.