Die ESA ernennt CSH-Fellow Dr. Valentin Bickel zum Gastforscher für die Merkur-Mission BepiColombo

Im Hinblick auf die bevorstehende Ankunft von BepiColombo am Merkur im Laufe dieses Jahres hat die ESA Gastforscher ausgewählt, um die wissenschaftlichen Ergebnisse der Mission zu bereichern. Dr. Valentin Bickel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Center for Space and Habitability (CSH) der Universität Bern, wird im Rahmen dieser Ernennung seine Untersuchungen zur dynamischen Oberfläche des Merkurs fortsetzen.

Im März 2026, etwa ein halbes Jahr vor dem Beginn des Einbringens von BepiColombo in die Umlaufbahn um den Merkur, ernannte die Europäische Weltraumorganisation (ESA) interdisziplinäre Wissenschaftler und Gastforscher für die gemeinsame ESA-JAXA-Mission zur Erforschung des Merkurs.

Gastforscher (GIs) sind Forschende, die von der ESA im Rahmen einer Ausschreibung (Announcement of Opportunity, AO) ausgewählt werden, um an bestimmten Erkundungsmissionen teilzunehmen. GIs nutzen die von einem oder mehreren Instrumenten gewonnenen Daten, um wissenschaftliche Untersuchungen durchzuführen und den wissenschaftlichen Ertrag der gesamten Mission zu steigern.

Zu den ausgewählten Forschenden gehört CSH-Fellow Dr. Valentin Bickel. Als GI für BepiColombo wird Valentin eine Deep-Learning-gestützte multimodale Datenverarbeitungs-Pipeline nutzen, um eine globale Kampagne zur Erkennung von Veränderungen durchzuführen, bei der alle Oberflächenveränderungen erfasst und quantifiziert werden, die zwischen den Missionen NASA MESSENGER und ESA BepiColombo – sowie im Verlauf der BepiColombo-Mission selbst – aufgetreten sind.

Die Kampagne konzentriert sich auf sogenannte 'Hollows' und 'Lineae', Merkmale, von denen vermutet wird, dass sie durch die Freisetzung flüchtiger Stoffe aus dem Untergrund des Merkur verursacht werden.

«Meine Untersuchung zielt darauf ab, ein direktes, quantitatives Mass für den heutigen Verlust flüchtiger Stoffe auf dem Merkur abzuleiten und damit eines der grössten Rätsel des Planeten zu lösen», sagt Valentin.

Aufnahme von Streifen oder «Lineae» auf den Hängen eines Kraters auf dem Merkur und den hellen Vertiefungen, aus denen die Streifen hervortreten. Das Bild wurde von MESSENGER am 10. April 2014 aufgenommen. © NASA/JHUAPL/Carnegie Institution of Washington

In seiner Funktion als GI wird Valentin eng mit verschiedenen Instrumententeams zusammenarbeiten, darunter dem SIMBIO-SYS-Team (unter der Leitung von Padua, Italien), dem MERTIS-Team (unter der Leitung von Münster, Deutschland) und dem BELA-Team (unter der Leitung von Bern, Schweiz).

BELA – das BepiColombo-Laseraltimeter – wurde unter anderem am Physikalischen Institut der Universität Bern entwickelt und gebaut und wird mithilfe von Laserimpulsen die Entfernung zur Oberfläche des Merkur messen. Diese Daten werden zur Erstellung eines detaillierten 3D-Modells der Topografie des Merkur verwendet. Zudem werden bestehende Modelle der tektonischen Verformung und der Oberflächenzusammensetzung des Planeten verfeinert, sodass die geologischen Prozesse auf dem Merkur noch genauer rekonstruiert werden können.

Neben BELA und Valentins Ernennung zum GI ist die Universität Bern auch über das Massenspektrometer STROFIO (sTart from a ROtating Field mass spectrOmeter) und das Plasma-Instrument ENA (Energetic Neutrals Analyzer) an der BepiColombo-Mission beteiligt.

STROFIO ist ein Instrument der NASA, für das die Universität Bern das sogenannte ionoptische System entworfen, berechnet und gebaut hat. STROFIO wird die sehr dünne Atmosphäre des Merkur erfassen und deren chemische Zusammensetzung analysieren. ENA ist ein bildgebendes Plasma-Instrument des Schwedischen Instituts für Weltraumphysik (IRF), zu dem die Universität Bern ebenfalls ionoptische Komponenten für die gezielte Führung und Bündelung geladener Teilchen beigetragen hat.

Weitere Informationen zu Valentins Studie über die 'Lineae' und 'Hollows' sind in der Pressemitteilung der Universität Bern verfügbar: Streifen auf dem Merkur zeigen: Merkur ist kein «toter Planet»