Rosetta Finale

Vielen Dank, dass Sie mit uns Abschied von Rosetta genommen haben!

Nach 12 Jahren Reise und 2 Jahren äusserst erfolgreicher Mission, hat Rosetta am 30. September 2016 ihre letzten Funksignale abgesetzt und ist für immer verstummt.

Aufzeichnung des Events in Bern am Freitag, 30. Sept. 2016

Vielen Dank an alle Gäste, die in Bern oder via Live-Stream am letzten Missionstag von Rosetta teilgenommen haben!

Eine Aufzeichnung unserer Streams ist verfügbar, zum Abspielen wird nur ein aktueller Web-browser benötigt:

https://collab.switch.ch/p9o39e344ab/

Abschluss einer zwölfjährigen Reise

Die «verrückteste» Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA ging am Freitag 30. September 2016 zu Ende: Die Weltraumsonde Rosetta legte eine kontrollierte und endgültige Annäherung zum Kometen Churyumov-Gerasimenko durch – und ist zum Schluss auf dem kleinen Himmelskörper aufgesetzt.

Die anwesenden Gäste in Bern wurden live Zeugen, wie Rosetta um 13:19 MESZ für immer verstummte.

Rosetta startete ihre Odyssee am 2. März 2004. Nach rund sechs Milliarden Kilometern erreichte sie den Kometen Churyumov-Gerasimenko am 6. August 2014. Rosetta ist die erste Raumsonde der Geschichte, die ein Rendezvous mit einem Kometen hatte, diesen kleinen Himmelskörper auf seiner Reise um die Sonne begleitete und ein Landemodul auf seine Oberfläche absetzte.

Seit August 2015 entfernt sich der Komet zusammen mit Rosetta zunehmend von der Sonne. Die Solarenergie für Sonde und Instrumente wird knapp. Diese haben zudem nach 12 Jahren im All – zwei davon dem besonders harschen Kometenstaub ausgesetzt – ihre Belastungsgrenze bald erreicht. Zudem müsste Rosetta demnächst erneut in einen «Winterschlaf» versetzt werden, da sich der Komet wieder so stark von der Sonne entfernt, dass diese keine Energie mehr für die Solarpaneele liefert. Diesmal müsste der Winterschlaf vier Jahre dauern (zuvor waren es über zwei Jahre). Die Chancen, die ausgediente Sonde danach wieder auf Trab zu bringen, wären äusserst klein. Deshalb fiel der Entscheid, dass Rosetta ihrem Landemodul Philae auf dem Kometen folgen solle.

Somit geht die operative Phase der Mission zu Ende. Den Wissenschaftlern stehen jedoch noch zahlreiche arbeitsintensive Jahre bevor, bis sie die Datenfülle dieser erfolgreichen Mission ausgewertet haben.

Hintergrund der Mission

Die Rosetta-Sonde der Europäischen Weltraumagentur (ESA) ist auf der Suche nach dem Ursprung des Alls: Vor-Ort-Untersuchungen des Kometen Churyumov-Gerasimenko, den Rosetta im Jahr 2014 nach einer zehn Jahre langen Reise erreichte, sollen Aufschluss über die Entstehung unseres Sonnensystems geben – und somit auch über die Entstehung der Erde und den Ursprung des Lebens. Kometen sind sozusagen archäologische Fundgruben für die Weltraumforschenden: Aufgrund ihrer weiten Entfernung zur Sonne haben sie Material aus den Momenten des Urknalls vor 4,6 Milliarden Jahren tiefgefroren und damit bestens konserviert.

ROSINA ist eines der Schlüsselinstrumente der Mission, um dieses Urmaterial zu analysieren. ROSINA steht für «Rosetta Orbiter Sensor for Ion and Neutral Analysis» und besteht aus zwei Massenspektrometern und einem Drucksensor, welche die chemische Zusammensetzung der Koma, der Gas- und Staubhülle des Kometen, untersuchen. ROSINAS Ziel war es, herauszufinden, ob Kometen die Grundbausteine des Lebens wie organische Moleküle und Wasser enthalten.

Diese Messgeräte wurde in Bern am Institut für Physik, Abteilung Weltraumforschung und Planetologie, entwickelt und gebaut. Sie bestimmen die chemische Zusammensetzung des Kometengases sowie die Häufigkeit des Vorkommens chemischer Elemente (Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff und andere). Diese vergleichen sie zudem mit der Häufigkeit des Vorkommens von Elementen im Sonnensystem. Wegen der langen Missionsdauer (2004-2016) und den extremen Temperaturbedingungen (-30°C bis +50°C) bestanden besonders hohe Anforderungen an das Instrument. 

ROSINA brachte Überraschendes zutage und konnte einige der wichtigsten Fragen der Mission klären – etwa, ob das Wasser auf der Erde von Kometen stammt. Nach den bisherigen Erkenntnissen ist es wahrscheinlicher, dass das Wasser auf unserem Planeten nicht von Kometen, sondern von Asteroiden stammt, die näher an der Erdumlaufbahn sind. Mehrere Ergebnisse von ROSINA gingen um die Welt, etwa der eingefangene «Duft des Kometen», der gemäss Projektleiterin Katrin Altwegg «etwas streng» riecht: unter anderem nach faulen Eiern, was auf Schwefelwasserstoff zurückzuführen ist, nach Pferdestall wegen Ammoniak und nach beissendem Formaldehyd. Altweggs Nachfolger Martin Rubin vom Center for Space and Habitability (CSH) wird nun mit dem Berner ROSINA-Team über die kommenden zehn Jahre die gesammelten Daten weiter auswerten.

Der Name «Rosetta» der ESA-Mission geht auf den berühmten Stein von Rosetta zurück, den die Truppen Napoelons 1799 nahe der Stadt Rosetta in Ägypten entdeckten. Er enthält in drei verschiedenen Sprachen denselben Text: In Griechisch, ägyptischem Demotisch und in Hieroglyphen. Dank dem Rosetta-Stein war es möglich, die Hieroglyphen zu entziffern. Nun hoffen die beteiligten Forschenden, mit der Sonde Rosetta die Geheimnisse vom Ursprung des Sonnensystems entziffern zu können.